Bienenweide: Was blüht wann für deine Bienen?
Kurz gesagt: Die Bienenweide folgt einer festen Reihenfolge, aber keinem festen Datum. Ob die Linde bei dir Mitte Juni oder Anfang Juli blüht, entscheidet die Wärme, die sich an deinem Stand seit Jahresbeginn angesammelt hat. → BeeHiveMap rechnet sie für deinen Standort aus.
Inhalt
Was mit Bienenweide gemeint ist
Bienenweide ist alles, was im Flugkreis deiner Völker blüht und Nektar, Pollen oder beides liefert. Nektar wird zu Honig und Energie, Pollen ist das Eiweiß für die Brut. Ein Volk braucht beides, und zwar ohne lange Pausen: Fehlt im Frühjahr der Pollen, stockt die Brut; fehlt im Sommer der Nektar, zehrt das Volk von seinen Vorräten.
Entscheidend ist deshalb nicht, dass irgendetwas blüht, sondern dass eine Tracht nahtlos auf die nächste folgt. Imker sprechen vom Trachtfließband.
Das Trachtfließband Monat für Monat
Die Monate sind die typischen Blühzeiten in Deutschland. Die Spalte „Wärmesumme" zeigt, bei welcher Grünland-Temperatur-Summe (GTS) BeeHiveMap mit der Blüte rechnet: Das ist der Wert, der an deinem Stand wirklich zählt.
| Monat | Pflanze | liefert | Wärmesumme (GTS) |
|---|---|---|---|
| Februar bis April | Krokus | Pollen, erster Nektar | 65 bis 120 |
| März bis April | Salweide | Pollen und Nektar | 175 bis 260 |
| April bis Mai | Löwenzahn | Pollen und Nektar | 350 bis 850 |
| April bis Mai | Süßkirsche | Nektar und Pollen | 365 bis 700 |
| April bis Mai | Raps | Nektar und Pollen, Massentracht | 550 bis 700 |
| Mai | Apfel | Nektar und Pollen | 530 bis 850 |
| Mai | Rosskastanie | Nektar und Pollen | 550 bis 700 |
| Mai bis Juni | Holunder | vor allem Pollen | 820 bis 900 |
| Mai bis Juni | Robinie (Akazie) | Nektar, Massentracht | 850 bis 1000 |
| Mai bis Juni | Faulbaum | Nektar | 900 bis 1050 |
| Mai bis Juli | Himbeere | Nektar | nicht geführt |
| Juni bis Juli | Brombeere | Nektar und Pollen | 1100 bis 1300 |
| Juni bis Juli | Sommerlinde, dann Winterlinde | Nektar, Massentracht | 1200 bis 1600 |
| Juni bis Juli | Weißer Senf (Zwischenfrucht) | Nektar und Pollen | nicht geführt |
| Juli bis Oktober | Buchweizen | Nektar | nicht geführt |
| August bis Oktober | Efeu | Nektar und Pollen, letzte Tracht | nicht geführt |
Blühmonate nach dem Bienenweidekatalog Baden-Württemberg und gängiger Imkerpraxis; Wärmesummen sind die Richtwerte, mit denen BeeHiveMap rechnet. „nicht geführt" heißt: BeeHiveMap führt für diese Pflanze keinen eigenen Wert.
Warum kein Kalender für deinen Stand stimmt
Eine Tabelle mit Monaten ist eine Orientierung, keine Vorhersage. Zwischen einem Stand in der Oberrheinebene und einem auf der Schwäbischen Alb liegen im Frühjahr leicht zwei Wochen. Selbst im selben Ort machen Südhang und Nordhang einen Unterschied.
Pflanzen richten sich nicht nach dem Kalender, sondern nach der angesammelten Wärme. Genau das misst die GTS: Jeder Tag mit Plusgraden zahlt auf ein Konto ein, und bei einem bestimmten Kontostand beginnt eine Pflanze zu blühen. Deshalb steht in der Tabelle oben neben dem Monat die Wärmesumme: Sie gilt überall, der Monat nicht.
→ BeeHiveMap-Karte öffnen und auf deinen Stand tippen: Du siehst die aktuelle Wärmesumme, welche Tracht als Nächstes kommt und über die Tracht-Overlays, wo die Blüte gerade läuft.
Die Trachtlücke im Sommer
Nach Robinie und Linde bricht in vielen Gegenden das Angebot ein. Wiesen sind gemäht, Getreide trägt nichts, die großen Bäume sind verblüht. Diese Zeit von etwa Juli bis August heißt Trachtlücke.
- Das Volk zehrt von seinen Vorräten. Gerade nach der Honigernte kann das schnell knapp werden.
- Brombeere, Senf, Phacelia und Buchweizen schließen die Lücke, wo sie in Reichweite wachsen.
- Auf Futtervorrat achten: Ob das Volk noch einträgt oder schon verbraucht, sieht man am Gewicht, nicht am Flugloch.
BeeHiveMap markiert die Trachtlücke an deinem Standort als eigene Phase, sodass du sie kommen siehst, bevor die Vorräte schrumpfen.
Späte Trachten im Herbst: Segen oder Risiko?
Zwischenfrüchte wie Phacelia und Gelbsenf, dazu Drüsiges Springkraut und Efeu, blühen bis in den Oktober hinein. Unter Imkern ist umstritten, ob das den Völkern hilft oder schadet. Befürchtet wurden ein verhonigtes Brutnest, abgenutzte Winterbienen und mehr Varroa durch späte Brut.
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau hat das von 2019 bis 2022 untersucht. Das Ergebnis: Späte Trachten führen nicht zwangsläufig zu den befürchteten Problemen. Die Völker trugen Pollen und Nektar ein, ein Teil brütete bis in den November, ein kritischer Varroabefall trat dadurch nicht auf, und beim Überwinterungserfolg zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Die Empfehlung lautet, Völker bei gutem Herbstangebot besonders sorgfältig zu beobachten.
Bienenweide am eigenen Stand verbessern
- Frühjahr absichern: Salweide und Hasel in Standnähe liefern den ersten Pollen, wenn die Brut anläuft.
- Sommerlücke schließen: Mit Landwirten in der Nähe über Zwischenfrüchte sprechen. Phacelia, Senf und Sommerrübsen gelten als besonders wertvoll für Bestäuber; Mischungen aus vielen Komponenten setzen sich zunehmend durch.
- Wandern: Wer Völker verstellt, kann gezielt Raps, Robinie oder Linde anfahren. Sinnvoll ist das nur, wenn man weiß, wann die Tracht am Zielort wirklich beginnt.
- Pflanzlisten nutzen: Der Bienenweidekatalog Baden-Württemberg und die Listen der LWG Bayern führen Gehölze und Stauden mit Blühzeiten auf.
FAQ
Welche Pflanze bringt am meisten Honig?
In Deutschland sind Raps, Robinie und Linde die klassischen Massentrachten. Welche davon bei dir zählt, hängt davon ab, was im Flugkreis von rund zwei bis drei Kilometern tatsächlich steht.
Wie erkenne ich, ob gerade eine Tracht läuft?
Am sichersten am Gewicht des Volkes: Steigt es tagsüber deutlich, wird eingetragen. Blüte allein heißt nicht Tracht: Bei Kälte, Wind oder Trockenheit geben Pflanzen trotz Blüte wenig Nektar ab. Mehr dazu unter Trachtpflanzen und Richtwerte.
Warum blüht die Linde bei mir früher als beim Imker im Nachbarort?
Weil sich an deinem Stand mehr Wärme angesammelt hat, durch Lage, Höhe oder Stadtnähe. Die Wärmesumme erklärt diese Unterschiede, der Kalender nicht.
Kostet BeeHiveMap etwas?
Nein. Karte, Wärmesumme und Tracht-Alarme sind kostenlos und ohne zusätzliche Hardware.
Die Bienenweide an deinem Stand, nicht im Durchschnitt
BeeHiveMap rechnet die Wärmesumme für deinen Standort und meldet, wenn die nächste Tracht beginnt. Kostenlos, ohne Hardware.
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Quellen
- Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg / Universität Hohenheim: Bienenweidekatalog
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Späte Trachten (Untersuchung 2019 bis 2022)
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Bienenweide
- BeeHiveMap: Grünland-Temperatur-Summe (GTS) erklärt
- BeeHiveMap: Trachtpflanzen und Richtwerte